Leseprobe „Mousse au chocolat & andere Katastrophen“

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Sophie öffnete die Tür einen Spalt breit und ein überraschter Ausdruck machte sich auf ihrem Gesicht breit.
„Darf ich reinkommen?“, fragte Jonas und versuchte angestrengt seine Sehnsucht unter Kontrolle zu halten. Sophie sagte nichts und ließ einen erleichterten Jonas eintreten. Nachdem sie die Wohnungstür geschlossen hatte, blieb sie, mit dem Blick auf die Tür gerichtet, stehen. War das hier real oder träumte sie dies nur, weil sie gerade so intensiv an Jonas gedacht hatte? Sophie schüttelte leicht den Kopf und drehte sich dann ganz langsam um. Zwei wunderschöne blaugraue Augen musterten sie eingehend, bohrten sich förmlich in ihre, hielten sie gnadenlos gefangen. Jonas suchte in ihrem Blick Anzeichen von Gegenwehr, wartete auf eine Abfuhr, doch nichts dergleichen geschah. Beide standen sich gegenüber, schauten sich einfach nur an und sahen in den Augen des anderen so unendlich viel Sehnsucht. „Ich …“, begann Jonas und sprach nicht weiter, als Sophie abermals leicht den Kopf schüttelte, ohne den Blick von ihm zu nehmen.
In dem kleinen Flur war sie mit nur einem Schritt bei ihm, stellte sich auf Zehenspitzen und stützte sich dabei mit den Händen an seiner breiten Brust ab. Ihre Lippen waren kaum einen Millimeter voneinander entfernt und die Berührung ihrer Körper ließ beide ihre Zurückhaltung endlich aufgeben. Als sich ihre Lippen trafen, erst vorsichtig, dann immer intensiver, stürzten all die aufgestauten Gefühle der vergangenen Wochen und Monate über sie herein. Jonas’ Hände wanderten über Sophies Rücken, zogen sie fester an sich heran, während ihre Hände sich in seinem kurzen Haar vergruben.
Doch plötzlich löste sich Jonas ganz vorsichtig von Sophie, die immer noch in ihrem Gefühlsstrudel gefangen war. Er ließ sie aber nicht los, sondern wartete, bis sich ihre Augen langsam öffneten, um in ihnen Antworten auf die vielen Fragen in seinem Kopf zu finden. „Sophie, was … was bedeutet das?“, fragte er schließlich und versuchte ruhig zu bleiben. Der Ausdruck in ihren Augen war unergründlich und nicht zu wissen, was sie mit diesem Kuss andeuten wollte, machte ihn fast verrückt. Als sie ihren Blick senkte und sich auf ihre Füße zurücksinken ließ, spannte Jonas sich augenblicklich an.
„Es ist an der Zeit, die Vergangenheit als solche zu sehen, was sie ist. Vergangen. Sie wird auch in Zukunft ein Teil von uns sein, aber wir bestimmen, wie groß dieser Teil sein wird und wie sehr wir uns von ihr beeinflussen lassen. Das habe ich in den letzten Tagen begriffen. Meine Sehnsucht, in deiner Nähe zu sein wurde immer größer. Als du mich am Telefon gefragt hast, ob ich dich vermissen würde, wurde mir schlagartig klar, dass ich es nicht ertragen würde, dich noch einmal zu verlieren. Ich würde das nicht nochmal durchstehen. Meine Antwort war nicht ganz korrekt. Denn ja, ich würde dich vermissen. Sehr sogar.“ Nicht ganz sicher, wie ihr Geständnis bei Jonas ankommt, sah sie beklommen zu ihm auf.
Er gab ihr keine Antwort, sondern reagierte auf seine Weise. Mit einer schnellen Bewegung schob er Sophie zurück Richtung Wand, stützte sich mit den Händen neben ihrem Kopf ab und beobachtete sie eingehend. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen und erst jetzt ließ auch Jonas sich zu einer Reaktion hinreißen. Seine Augen waren merklich dunkler geworden und seine Worte klangen rau und verlangend. „Du machst mich total verrückt, weißt du das?“ Zu einer Antwort war Sophie nicht mehr in der Lage, denn im nächsten Moment verschloss Jonas ihren Mund mit seinen Lippen. Er wollte nicht mehr reden, wollte sie spüren, schmecken und ihren Duft einatmen.
Als sie sich nach langen Minuten wieder voneinander lösten, war beiden unendliche Erleichterung ins Gesicht geschrieben und es war schwer zu sagen, wessen Augen mehr strahlten vor Glück.
„Wenn du jetzt sagst, ich soll gehen und bei mir übernachten, mache ich das, aber es wäre grausam.“ Jonas Lächeln verrutschte leicht bei seinen Worten. Würde sie sagen, dass es für sie noch zu viel wäre, ihn so nah bei sich zu wissen, würde er sich dem beugen, aber morgen in aller Frühe wieder hier sein, um keine Minute ihrer gemeinsamen Zeit mehr zu verlieren.
„Dein Problem ist manchmal, dass du nicht zuhörst, denn dann kämst du gar nicht auf die Idee, mir einen solch absurden Vorschlag zu machen. Ich sagte, dass ich mich nach deiner Nähe sehne, dass ich dich vermisse. Also warum um alles auf der Welt sollte ich dich jetzt wegschicken?“ Sophie schaute ihn herausfordernd und mit großen Augen an. Jonas zuckte nur mit den Schultern und küsste sie abermals. Langsam legte er seine Hände unter ihren Po und ließ sie dann, ohne dabei den Kontakt zu ihren Augen zu verlieren, schwungvoll an der Wand nach oben gleiten. Mit beiden Beinen umschlang Sophie seine Hüften und ein leises Stöhnen entwich seiner Kehle, was sie mit einem Grinsen quittierte.
„Ich habe dich wirklich vermisst, du weißt gar nicht, wie sehr“, hauchte Jonas gefühlvoll zwischen zwei Küssen, mit denen er ihren Hals liebkoste.
„Glaub mir, ich kann es mir sehr gut vorstellen!“ Auch Sophies Stimme hatte diesen zarten und überaus sanften Klang …

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